Klimaschutz im Sportverein – Der TSV war Sieger 2017

Der TSV 03 Sievershausen gewann im vergangenem Jahr den Ideenwettbewerb „Klimaschutz im Sportverein“. Der Wettbewerb wird in 2018 neu aufgelegt. Ruth Märtin von der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen GmbH sprach anlässlich der Neuauflage des Wettbewerbs mit  dem Vorsitzenden des Vorjahressiegers Jörg Schwieger. Das Interview kann auch auf der Homepage der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen GmbH unter www.klimaschutz-niedersachsen.de/aktuelles-1/nachgefragt-bei.html  nachgelesen werden.

Der TSV 03 Sievershausen e. V. befindet sich in der Region Hannover und hat rund 700 Mitglieder. Neben den klassischen Sparten wie Fußball, Handball, Volleyball, Tischtennis und Turnen gehören auch Baseball, Gesundheitssport, Hip Hop, Karate, Zumba sowie eine Laienspielgruppe und eine Karnevalsgesellschaft zum Verein.

Im ersten Durchgang des landesweiten Ideenwettbewerbs vom „Klima(s)check für Sportvereine“ hat der Verein 2017 mit seiner `klimage(s)checkten´ Dorffehde die Jury überzeugt und konnte sich als Sieger über 10.000 Euro freuen. Die Dorffehde ist ein seit vielen Jahren immer an Himmelfahrt stattfindender, nicht ganz ernst gemeinter Wettstreit der beiden Dorfhälften Norddorf und Süddorf.

Wir haben mit Jörg Schwieger, 1. Vorsitzender des TSV Sievershausen, über den „Klima(s)check für Sportvereine“ und seine Erfahrungen gesprochen:

Wie ist Ihr Verein auf den Klima(s)check für Sportvereine bzw. den Ideenwettbewerb aufmerksam geworden?

Wir hatten über Flyer und Infos in den Fachzeitschriften der Sportbünde von dem Wettbewerb erfahren, aber zunächst keine Ansatzpunkte für eine Bewerbung gesehen. Erst durch den Vorschlag von Geschäftsführung und Vorstand des RegionsSportBundes Hannover, unsere dort bekannte Dorffehde „Norddorf gegen Süddorf“ unter das Thema „Klimaschutz“ zu stellen, sind wir auf die Idee gekommen und hatten den Mut, uns zu bewerben.

Welche Ideen zu Energiesparen und Klimaschutz im Sport hatten Sie für die `klimage(s)checkte´ Dorffehde und wie haben Sie diese umgesetzt?

Unser Konzept ist voll aufgegangen: Sport, Spiel und Spaß mit Informationen rund um Umwelt- und Klimaschutz zu kombinieren. Dazu gehörten zum einen Abfallvermeidung durch Bratwurst direkt aus dem Brötchen – als klimafreundliche Variante auch mit vegetarischen Würstchen – essbare Pommes-Schalen und den Verzicht auf Einwegflaschen: Für unsere kleinen Besucher hatten wir einen Umweltclown, Experimente zu erneuerbaren Energien und eine Kinderklimaberaterin vor Ort.

Unser traditionelles „Spiel ohne Grenzen“ haben wir mit vielen Alltagstipps rund um die Vermeidung von Müll und Lebensmittelverschwendung, Energiesparen und erneuerbaren Energien kombiniert. Dies sind nur ein paar Beispiele, aber insgesamt zogen sich Klimaschutz und Energieeinsparung vom morgendlichen Feldgottesdient bis zur Siegerehrung als roter Faden durch den gesamten Tag. Damit konnten wir viele Gäste auf unserer Dorffehde für den Klimaschutz sensibilisieren und motivieren.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Was bleibt von der `klimage(s)checkten´ Dorffehde im Mai 2017?

Die Veranstaltung im Zeichen des Klimaschutzes hat uns allen die Augen geöffnet: Was haben wir in den Vorjahren doch immer für Müllmengen produziert. Dieses Mal fiel kaum etwas an. Es ist deshalb selbstverständlich für uns, dass die Dorffehden in den kommenden Jahren im logistischen Bereich ebenso organisiert werden. Wo es geht, setzen wir diese positiven Erfahrungen auch bei anderen Veranstaltungen des Vereins um. Alle haben gemerkt: Mit kleinen Änderungen im Verhalten können wir ganz einfach einen eigenen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz leisten. Klimaschutz fängt bei jedem von uns im Alltag an. Er bedeutet nicht zwangsläufig Verzicht, sondern eher einmal über das bisherige Verhalten nachzudenken – frei nach dem Motto: „Müssen wir es immer so machen wie bisher? Oder gibt es vielleicht auch andere, bessere Alternativen?“.

Bei der `Dorffehde´ kämpfen seit Jahren die Bewohner aus dem Norddorf gegen das Süddorf. 2017 gab es nur Sieger: Beide Dorfhälften trennten sich unentschieden und der TSV 03 Sievershausen gewann beim landesweiten Ideenwettbewerb – und damit war es auch ein Sieg für den Klimaschutz!

Wie waren die Reaktionen der Teilnehmer und Besucher auf die Neuerungen, z.B. bei der Verpflegung wie dem Verzicht auf Plastikbecher?

Die Rückmeldungen auf unsere Dorffehde waren ausgesprochen positiv. Wir haben beispielsweise in der Vorweihnachtszeit ein Dankeschön-Frühstück für die vielen ehrenamtlichen Helfer im Verein organisiert, die uns bei dem Event unterstützt haben. Sie können sich vorstellen, dass wir in diesem Jahr mehr Unterstützung benötigt haben: So brauchten wir durch den Verzicht auf Pappteller und Plastikbesteck mehr Helfer beim Abwaschen des Geschirrs. Aber: Alle Helfer haben zugesagt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und die weiteren Veranstaltung zu unterstützen. Neben der Nachhaltigkeit bei der Müllvermeidung ist dadurch der Verein noch ein bisschen näher zusammen gerückt. Alle Helfer schwärmen – trotz der vielen Arbeit – noch heute von der Veranstaltung.

Aber auch die Rückmeldungen von den Besuchern waren hervorragend. So hörten wir immer wieder, dass es eine tolle Idee war, die Veranstaltung ganz ins Zeichen des Klimaschutzes zu stellen. Andere Besucher lobten den Verzicht auf Plastikbesteck („richtige Messer schneiden eh viel besser“). Besonders positiv kam an, dass die ernsten Infos zum Klimaschutz im Rahmen der Dorffehde ohne mahnenden Zeigefinger in die lustigen Spiele eingebaut wurden. Oft waren Reaktionen wie „Ach ja“ oder „Wusste ich gar nicht“ zu hören.

Welche Pläne haben Sie für die Verwendung des Preisgelds?

Über das Preisgeld freuen wir uns natürlich sehr. Im Rahmen unseres traditionellen Frühjahrsputzes im und um unser Sportheim herum werden wir die alten Lampen gegen hocheffiziente LEDs austauschen. Ein Teil des Geldes soll auch in den Rückbau und die Renaturierung unseres alten, außerhalb der Ortschaft liegenden Sportheimes fließen.

Was möchten Sie anderen Vereinen noch von Ihren Erfahrungen zu dem Thema mitgeben?

Ich kann jedem Verein nur empfehlen, sich zu bewerben. Man muss kein fertiges Konzept einreichen, eine formlose Beschreibung der geplanten Aktionen reicht – das kostet nicht so viel Zeit und Manpower, wie manche vielleicht denken! Es kann – wie bei uns – auch eine vorhandene Veranstaltung sein, die man konzeptionell überdenkt. Mit dem aktuellen Thema „Klimaschutz“ dürfte es nicht schwierig sein, seine Vereinsmitglieder mit ins Boot zu holen. Wir haben gemerkt, dass da sogar das ganze Dorf mit an einem Strang zieht. Und 10.000 Euro Preisgeld sind für einen Sportverein unserer Größe eine wirklich beachtliche Summe, für die es sich lohnt, neue Wege zu denken!

Mehr Informationen zum „Klima(s)check für Sportvereine“ und die Kontaktdaten der jeweiligen Ansprechpartner für die Energieberatungen sowie den Ideenwettbewerb unter www.klimaschutz-niedersachsen.de/klimascheck-sportvereine und www.lsb-niedersachsen.de/klimascheck.html.

Ab sofort können die Bewerbungen für die zweite Runde des Ideenwettbewerbs eingereicht werden bei: Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen, z. H. Ruth Märtin, Osterstrasse 60, 30159 Hannover. Gerne steht Frau Märtin auch für Fragen zur Verfügung unter 0511/89 70 39 37 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Bebilderung (2-3 Fotos, alle © Stefan Koch):

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